Ausdauertraining · Sekundarstufe I & II · NRW

Ausdauer im Schulsport – Dauerlauf macht Spaß

Ausdauertraining motivierend und gesundheitsgerecht gestalten: Schülerinnen und Schüler entwickeln durch Wahrnehmung, Belastungssteuerung und reflektiertes Laufen ein individuell angemessenes Ausdauertraining – weit jenseits des bloßen Durchhaltens.

Schwerpunkt: Aerobe Ausdauer, Belastungssteuerung, Motivation Zielgruppe: Sek I (Kl. 5–10) und Sek II Grundlage: KLP Sport NRW · BF/SB 1 & 3
Infografik „Ausdauer macht Spaß
Lernweg-Infografik Ausdauer macht Spaß – Überblick über Lernprogression und Unterrichtsvorhaben Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Teil A Grundlagen: Warum Ausdauer im Schulsport? Die pädagogische Legitimation des Ausdauertrainings und die Leitidee des motivierenden Dauerlaufs.

Abschnitt 1

Aerobe Ausdauer als Bildungsgegenstand

Ausdauertraining zählt neben Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit zu den motorischen Grundeigenschaften, die im Schulsport erfahren und entwickelt werden. Es geht dabei nicht um maximale Leistung, sondern um Gesundheit, Körperwissen und lebenslange Sportteilhabe.

Aerobe Ausdauer Die Fähigkeit, eine Belastung über längere Zeit aufrechtzuerhalten, Ermüdung zu widerstehen und sich anschließend angemessen zu erholen. Im Schulsport wird sie vorrangig gesundheitsorientiert entwickelt – als präventiver Schutzfaktor für Herz-Kreislauf-System, Wohlbefinden und kognitive Leistungsfähigkeit.
Kardiologische Prävention: Bewegungsmangel bedingt nachweislich kardiovaskuläre Pathologien in der zweiten Lebenshälfte. Ursachen wie Adipositas, Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen werden oft in der Jugend grundgelegt. Aerobe Ausdaueraktivität im Schulsport ist daher ein hocheffektives präventives Schutzgut. KLP Sport NRW, BF/SB 1
Kognitive Wirkung: Regelmäßiges Ausdauertraining verbessert Konzentration, Gedächtnisleistung und Stressresistenz. Für Schülerinnen und Schüler sind dies unmittelbar relevant erlebbare Effekte jenseits der sportlichen Leistung. Sportpädagogische Forschung
Motivation als Schlüssel: Ausdauer wird im Schulsport häufig als anstrengend oder langweilig erlebt. Das didaktische Ziel ist deshalb nicht das bloße Durchhalten, sondern die Erfahrung, dass ausdauerndes Laufen durch Spielformen, Körperbewusstsein und Variation Spaß machen kann. Duwenbeck – Dauerlauf macht Spaß

Abschnitt 2

Belastungssteuerung: Die DDA-Skala

Zentrales Instrument für ein gesundheitsorientiertes Ausdauertraining ist die subjektive Belastungswahrnehmung. Die DDA-Skala (Deddens & Duwenbeck) operationalisiert diese im Schulkontext. Duwenbeck / Deddens / Augustin: Fitness & Motorik kompetenzorientiert unterrichten. Auer, 1. Aufl. 2023, Donauwörth.

1
Sehr leichtKaum spürbar – Ruhezustand oder leichtes Aufwärmen; keine Anstrengung wahrnehmbar
2
LeichtAngenehme Belastung – gut unterhalten, problemlos mehrere Sätze sprechen
3
Etwas anstrengendAerober Zielbereich – kurze Sätze möglich, Atmung hörbar ✓ Zielbereich
4
AnstrengendOberer aerober Bereich – einzelne Wörter möglich, deutlich erhöhte Atemfrequenz ✓ Zielbereich
5
Sehr anstrengendAnaerober Bereich – Sprechen kaum möglich, starkes Brennen in der Muskulatur
6
MaximalAbsolute Grenzbelastung – Sprechen unmöglich, maximale Herzfrequenz
DDA-Skala: Originalkarte mit 6 Belastungsstufen
Originalkarte DDA-Skala · Deddens & Duwenbeck 2013 Antippen zum Vergrößern
Subjektive Steuerung: Schülerinnen und Schüler lernen, Belastung nicht nur nach Tempo, sondern nach Körpergefühl – Atmung, Muskelwahrnehmung, subjektive Anstrengung – zu steuern und zu beurteilen. Dies fördert eigenverantwortliches Training über die Schule hinaus.
Vergleich Puls vs. Gefühl: Durch die Gegenüberstellung von subjektivem Belastungsempfinden und objektivem Pulswert werden Kausalzusammenhänge erfahrbar. Schülerinnen und Schüler entwickeln ein kritisches Urteilsvermögen gegenüber Trainingssteuerung und Fitness-Trends.
Differenzierung: Die DDA-Skala ermöglicht es, Lerngruppen heterogen zu führen: Jede Person trainiert im individuell angemessenen Bereich, ohne Vergleich nach absoluter Geschwindigkeit oder Strecke.
Teil B Materialien & Ressourcen Zwei aufeinander abgestimmte Angebote für den Ausdauer-Unterricht – ein interaktives digitales Labor und ein vollständiges Unterrichtsvorhaben für Klasse 7.

Abschnitt 3

Zwei Angebote für den Ausdauer-Unterricht

Das AusdauerLab bietet interaktive digitale Module für alle Jahrgangsstufen. Das Unterrichtsvorhaben „Dauerlauf macht Spaß" liefert einen vollständigen, bewährten Verlaufsplan für Klasse 7 (Sek I).

Externes Tool · AusdauerLab

AusdauerLab

Klasse 5–13 9 eigenständige Web-Apps Interaktiv
Screenshot des AusdauerLabs mit Modulübersicht
Screenshot AusdauerLab – Modulübersicht Antippen zum Vergrößern

Das AusdauerLab ist eine Sammlung von 9 eigenständigen Web-Anwendungen für den Schulsport – einsetzbar von Klasse 5 bis 13, unabhängig voneinander. Jede App behandelt einen eigenen Ausdauer-Schwerpunkt: von Pulsphysiologie und subjektiver Belastungssteuerung bis zu Ausdauertests und Energiesystemen. Die Apps laufen direkt im Browser, ohne Installation.

Module im Überblick:

Modul 01 – Basics: Pulsphysiologie interaktiv, DDA-Skala einführen, Erholungskurve beobachten.
Modul 02 – Lohnende Pause: Erholung als Steuerinstrument erforschen – in zwei Varianten (Einzel- und Klassen-Modus).
Modul 03 – Belastungssteuerung: Subjektives Empfinden vs. Pulswert: Steigt der Puls systematisch mit der DDA-Stufe?
Modul 06 – Ausdauer testen: 6-Min-, 12-Min-, Beep-Test und 30-Min-Lauf mit integriertem Timer und Schülerverwaltung.
Modul 08 – Energiesysteme: ATP-PC, Glykolyse und aerobe Oxidation interaktiv visualisiert. Mit Schwellenkonzept und Quiz (Kl. 9–13).
Unterrichtsvorhaben · Klasse 7

Dauerlauf macht Spaß

Klasse 7 8 Unterrichtseinheiten Sek I · NRW

Ein vollständiges, erprobtes Unterrichtsvorhaben für die Sekundarstufe I: Ausdauerndes Laufen motivierend und gesundheitsgerecht gestalten. Schülerinnen und Schüler entwickeln über Wahrnehmung, Steuerung, Variation und Bewertung ein individuell angemessenes Ausdauertraining.

Reihenstruktur (8 UE):

UE 1–2: Tempowechselmethode als Ausgangslage; DDA-Skala vs. Puls als Steuerungsgrößen.
UE 3–5: Walking; kooperatives Laufen (6-Tage-Rennen, Tabu-Laufspiel); Orientierungslauf.
UE 6–7: Freeletics-App kritisch erproben; kooperativer Wettkampf – „Goldene Ananas".
UE 8: Leistungsüberprüfung: Kolloquium zur Beurteilung von Ausdauerformen.

Lehrplanbezug: BF/SB 1 (Körper wahrnehmen) & BF/SB 3 (Leichtathletik), Perspektiven D, E, F – KLP Sport Sek I NRW.

Abschnitt 4

Didaktische Einordnung

Beide Angebote verfolgen denselben pädagogischen Grundsatz: Belastung wird nicht nur erlebt, sondern beobachtet, gemessen, ausgewertet und beurteilt.

Kompetenzorientierung: Schülerinnen und Schüler laufen nicht nur – sie erfassen Belastung, vergleichen Steuerungsgrößen, wählen Methoden und beurteilen deren motivationalen und gesundheitlichen Wert. Bewegungspraxis wird systematisch mit Sach-, Methoden- und Urteilskompetenz verbunden.
Vom Erleben zum Verstehen: Das AusdauerLab schließt direkt an Praxiserfahrungen an: Erst erleben die Lernenden Belastung und Pulsreaktionen, dann erklären interaktive Module die biologischen Hintergründe. Dies fördert die Verknüpfung von Theorie und Praxis.
Differenzierung: Beide Ressourcen ermöglichen individualisierende Unterrichtsführung. Die DDA-Skala als gemeinsames Instrument verbindet das Unterrichtsvorhaben mit dem AusdauerLab: Schülerinnen und Schüler wenden dieselbe Methode in verschiedenen Kontexten an.
Empfohlene Reihenfolge: AusdauerLab Modul 01 → UV UE 1–2 (Grundlagen und Steuerung) → AusdauerLab Modul 03 (DDA-Experiment) → UV UE 3–7 (Variation und Motivation) → AusdauerLab Modul 06 (Leistungsdiagnostik).
Hinweis zu digitalen Fitness-Trends: Die Freeletics-Stunde (UE 6) und das AusdauerLab sind bewusst kritisch-reflexiv gerahmt. Schülerinnen und Schüler sollen nicht einfach Apps nutzen, sondern Belastung, Technik, Spaß, Risiken und Passung zur eigenen Gesundheit eigenständig beurteilen – eine wesentliche Kompetenz für lebenslanges Sporttreiben.