Trainingslehre & Kraft · Sekundarstufe II · NRW

Gesund-funktionales Krafttraining im Schulsport

Ein ganzheitliches Unterrichtsvorhaben aus der Schulpraxis: ein sanftes Einsatz-Krafttraining, das wirksam, sicher und zeitökonomisch ist. Schülerinnen und Schüler lernen, Muskel- und Bewegungsfunktionen zu verstehen und Übungen selbstständig funktional zu beurteilen – Gesundheit statt maximaler Ausbelastung.

Grundlage: Deddens & Duwenbeck – Das Fitness-Studio in der Turnhalle Auflage: 2. Aufl. 2013 ISBN: 978-1490426198
Infografik „Das Fitness-Studio in der Turnhalle“ – didaktische Prinzipien eines gesund-funktionalen Krafttrainings: ganzheitliches Konzept, Agonist-Antagonist-Ausgewogenheit, Ein-Satz-Prinzip, personenorientierte Übungsbeurteilung, klare Belastungssteuerung (dynamisch, 45–60 Sekunden, 30 Sekunden Pause) und subjektive Belastung auf D&D-Stufe 3–4. Ziel: gesund-funktionales Muskelfitnesstraining statt maximaler Ausbelastung.
Leitbild Das Fitness-Studio in der Turnhalle – sechs didaktische Prinzipien Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Teil A Grundlagen: Warum & Was Das pädagogische Konzept und die fachliche Legitimation des Krafttrainings in der Schule.

Abschnitt 1

Das ganzheitliche Konzept

Das Unterrichtsvorhaben ist direkt aus der Schulsportpraxis entstanden und setzt die Richtlinien und Lehrpläne Sport in Nordrhein-Westfalen um. Es grenzt sich bewusst von kommerziellen und leistungssportlichen Ansätzen ab.

gesund-funktionales Muskelfitnesstraining Der zentrale Begriff dieses Konzepts: ein Krafttraining, das die Gesundheit in den Mittelpunkt stellt und funktional – also bezogen auf Person, Alltag und Bewegungsapparat – gestaltet ist. In der schulischen Umsetzung ist es ein sanftes Einsatz-Krafttraining.
Verstehen statt nur ausführen: Ziel ist nicht maximale Leistungssteigerung, sondern Schülerinnen und Schülern das theoretische und praktische Fundament zu vermitteln, um Muskel- und Bewegungsfunktionen anatomisch zu begreifen. So werden sie befähigt, Trainingsübungen eigenständig funktional zu analysieren, zu entwickeln und kritisch zu bewerten. Turnhalle-Didaktik, Abschnitt 1
Aus der Praxis für die Praxis: Das Konzept verfolgt ein ganzheitliches Bildungsverständnis und ist unmittelbar an den schulischen Rahmenbedingungen der gymnasialen Oberstufe orientiert – modifiziert auch in der Sekundarstufe I einsetzbar. NRW-Richtlinien Sport
Übertragbar über die Schule hinaus: Der pädagogische Ansatz lässt sich flexibel auf den außerschulischen Breitensport und freie Trainingsgruppen übertragen und bleibt damit lebenslang anschlussfähig. Turnhalle-Didaktik, Abschnitt 1

Abschnitt 2

Relevanz & Wandel des Schulsport-Krafttrainings

Die Einbettung von Krafttraining in den schulischen Fächerkanon resultiert aus gravierenden Veränderungen der jugendlichen Umwelt und modernen sportmedizinischen Erkenntnissen.

Infografik: Warum Krafttraining in den Schulsport gehört. Legitimation über Bewegungsmangel, muskuläre Unterforderung, schulisches Krafttraining und gesundheitliche Wirkung; Paradigmenwechsel; Hinweis, dass Kraftzuwächse im Jugendalter vor allem durch verbesserte Koordination statt Muskelhypertrophie entstehen.
Grafik 1 Warum Krafttraining in den Schulsport gehört Antippen zum Vergrößern & Zoomen
30–74 %Kraftzuwachs bei Untrainierten in den ersten Trainingswochen
pro Woche genügt für hocheffektives Einsatzkrafttraining
≈100 %Zuwachs beim „Flexed arm hang" (Austermann 2005)
Kompensation von Bewegungsmangel: In einer bewegungsärmeren Lebenswelt werden notwendige Wachstums- und Funktionsreize unzureichend gesetzt. Dies führt zu fortschreitender Inaktivitätsatrophie und muskulären Insuffizienzen. Schulisch initiiertes Krafttraining ist daher präventiv unumgänglich, um den Stütz- und Bewegungsapparat zu stabilisieren. S. 14 / Fn 26, 27
Historischer Paradigmenwechsel: Frühere Vorbehalte befürchteten Schäden für den wachsenden Organismus oder Beweglichkeitsverlust. Heute ist die generelle Legitimation von Krafttraining für Kinder und Jugendliche wissenschaftlich unumstritten. S. 14 / Fn 29–31
Hohe Trainierbarkeit im Jugendalter: Bei Untrainierten zeigen sich bereits in den ersten Wochen signifikante Kraftzuwächse von 30 % bis 74 % („Anfangseffekte"). Auch freizeitsportlich Aktive weisen messbare muskuläre Unterforderungen auf. S. 15 / Fn 34–37
Neuromuskuläre Adaptation statt Hypertrophie: Die Kraftzuwächse beruhen nicht auf einer Zunahme der Muskelmasse, sondern auf neuromuskulären Veränderungen und optimierter inter- und intramuskulärer Koordination. Vorurteile über „Muskelberge" bei Kindern sind haltlos. S. 15 / Fn 39, 40
Didaktische Grundsätze des Jugendtrainings: Kein bloß quantitativ reduziertes Erwachsenentraining. Maximen: Übungen unter strikter Entlastung der Wirbelsäule (Bandscheibenschonung), Vermeidung großer lokaler Belastungsspitzen, primärer Fokus auf Rumpf- und Haltemuskulatur. S. 15 / Fn 41–44
Teil B Das sanfte Prinzip Der Kern des Konzepts: wirksam trainieren ohne maximale Ausbelastung – nachhaltig, vorteilhaft und für viele Zielgruppen geeignet.

Abschnitt 3

Was heißt „sanft"?

Sanftes Krafttraining sucht bewusst den wirksamen Trainingsreiz – und stoppt vor der maximalen Ausbelastung. Es geht nicht um die größte Last, sondern um die richtige.

Infografik: Sanftes Krafttraining – wirksam ohne maximale Ausbelastung. Belastungskurve mit drei Zonen: „zu leicht“ (zu geringer Reiz), „wirksamer Trainingsreiz“ (Stopp bei mittel bis schwer, mit guter Technik und Kontrolle) und „maximale Ausbelastung / Risiko“ (erhöhtes Risiko für Gesundheit, Technik und Motivation). Trainingssatz: Start, Wiederholungen, mittel/schwer, Abbruch – nicht bis zum Muskelversagen.
Grafik 2 Wirksam ohne maximale Ausbelastung Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Infografik: Gesundheitsorientiertes Krafttraining – langfristig statt maximal. Gegenüberstellung zweier Kurven: nicht maximale Anpassung in kurzer Zeit (kurzfristig, riskanter), sondern dauerhafte, individuell angemessene Belastung (langfristig, nachhaltig). Zeitstrahl: Start, regelmäßiges Training, angepasste Belastung, stabile Gesundheit, lebenslange Bewegungsfähigkeit – für mehr Gesundheit und Leistungsfähigkeit über viele Jahre.
Grafik 3 Langfristig statt maximal Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Der wirksame Reiz liegt in der Mitte: Zu leichte Lasten setzen keinen ausreichenden Anpassungsreiz, maximale Ausbelastung erhöht das Risiko für Gesundheit, Technik und Motivation. Trainiert wird im Bereich „mittel bis schwer" – mit guter Technik und Kontrolle, ohne bis zum Muskelversagen zu gehen.
Sanft heißt nicht wirkungslos: Sanft heißt individuell angemessen, kontrolliert und langfristig tragfähig. Der Trainingssatz wird bei spürbarer Anstrengung beendet – nicht beim völligen Versagen der Muskulatur.
Langfristig statt maximal: Nicht die schnellstmögliche Maximalanpassung ist das Ziel, sondern eine dauerhafte, angemessene Belastung. Regelmäßiges, angepasstes Training sichert über viele Jahre Gesundheit, Lebensqualität und Bewegungsfähigkeit – bis ins hohe Alter.

Abschnitt 4

Die Vorteile des sanften Krafttrainings

Das Ziel ist nicht maximale Erschöpfung, sondern eine günstige Balance aus Trainingswirkung und Risikominimierung. Daraus ergeben sich konkrete gesundheitliche Vorzüge.

Infografik: Die Vorteile des sanften Krafttrainings – orthopädisch schonender (geringere Belastung des aktiven und passiven Bewegungsapparats), weniger Muskelkater, herz-kreislauf-freundlicher (niedrigere Herzfrequenz und Blutdruckwerte), weniger Stoffwechselstress (niedrigere Laktatwerte), geringere Pressatmungsgefahr und schnellere Regeneration. Ziel: günstige Balance aus Trainingswirkung und Risikominimierung.
Grafik 4 Sechs Vorteile auf einen Blick Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Orthopädisch schonender: Minimiert orthopädische Risiken, die durch unzureichendes Aufwärmen, Ermüdung am Serienende oder Koordinationsverluste bei hoher Satzzahl entstehen. Die Belastung von aktivem und passivem Bewegungsapparat bleibt im physiologisch sicheren Bereich. S. 16 / Fn 54
Herz-Kreislauf-freundlicher & weniger Pressatmung: Gegenüber dem Mehr-Satz-Training bis zur Muskelerschöpfung sinken Herz-Kreislauf- und Stoffwechselbelastungen drastisch (niedrigere Herzfrequenz und Blutdruckwerte). Die gefürchtete Pressatmung mit extremen Blutdruckspitzen tritt praktisch nicht auf. S. 17 / Fn 55–57
Weniger Muskelkater & weniger Stoffwechselstress: Da nicht bis zum völligen Versagen trainiert wird, fallen niedrigere Laktatwerte an und die Überlastungswahrscheinlichkeit sinkt – der Körper wird gefordert, aber nicht überfordert.
Schnellere Regeneration: Die kontrollierte Belastung verkürzt die nötige Erholungsphase. Das Training bleibt im Schulalltag und im Breitensport gut wiederholbar und alltagstauglich.

Abschnitt 5

Für wen ist sanftes Krafttraining besonders geeignet?

Weil die Beanspruchung individuell angemessen gesteuert wird, eignet sich das sanfte Krafttraining für sehr unterschiedliche Gruppen – weit über die Schule hinaus.

Infografik: Sanftes Krafttraining – für wen besonders geeignet? Individuell angemessene Beanspruchung für Kinder und Jugendliche (entwicklungsphysiologisch geringere Belastungstoleranz), Menschen mit eingeschränkter Belastbarkeit (orthopädische oder internistische Beschwerden), ältere Menschen (reduzierte Belastungsverträglichkeit) und motivationsorientierte Trainierende (Training ohne harte Ausbelastung).
Grafik 5 Geeignete Zielgruppen Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Kinder & Jugendliche: Entwicklungsphysiologisch besteht eine geringere Belastungstoleranz – die schülergerechte, kontrollierte Belastung ist hier ideal und didaktisch geboten.
Menschen mit eingeschränkter Belastbarkeit: Bei orthopädischen oder internistischen Beschwerden erlaubt das sanfte Training einen sicheren Wiedereinstieg und dauerhaftes Üben im verträglichen Bereich.
Ältere Menschen: Eine reduzierte Belastungsverträglichkeit wird durch die individuell angemessene Beanspruchung berücksichtigt – Krafttraining bleibt bis ins Alter möglich und sinnvoll.
Motivationsorientierte Trainierende: Wer ohne harte Ausbelastung trainieren möchte, bleibt eher dauerhaft dabei – Kontinuität schlägt kurzfristige Maximalreize.
Teil C Methode & Sicherheit Wie das sanfte Prinzip konkret umgesetzt wird: die Einsatz-Methode, die Ausgewogenheit des Körpers und die sichere Ausführung.

Abschnitt 6

Ein-Satz- statt Mehr-Satz-Training

Im eng getakteten Schulalltag stehen sich zwei Kernkonzepte gegenüber. Die wissenschaftliche Evidenz liefert klare Vorteile für die zeiteffiziente Einsatz-Methode (Single-Set-Training).

Infografik: Warum Ein-Satz-Training im Schulsport sinnvoll ist. Vergleich Ein-Satz- gegenüber Mehr-Satz-Training: zeiteffizient, flüssiger Stationsbetrieb, weniger Ermüdung, geringeres Risiko, hohe Motivation durch schnellen Wechsel; Mehr-Satz-Training bleibt für Fortgeschrittene möglich. Schulstandard: wirksam, sicher, organisierbar.
Grafik 6 Warum Ein-Satz-Training im Schulsport sinnvoll ist Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Das sanfte Ein-Satz-Training: EMG-Messungen und Folgestudien belegen, dass ein gesundheitsorientiertes Krafttraining mit nur einem Satz pro Übung bei adäquater Intensität hochsignifikante, gesundheitsrelevante Effekte erzielt – selbst wenn der Satz nicht bis zur vollständigen Erschöpfung geführt wird. Diese Reize sind lang überdauernd und überstehen Ferienphasen oder Stundenausfälle. S. 16 / Fn 46–53; Boeckh-Behrens/Buskies 2000
Enormer Zeitgewinn: Mit dem strukturierten Stationsbetrieb lässt sich ein vollständiges Ganzkörperprogramm mit 16 Übungen für 16 Muskelgruppen in weniger als 20 Minuten absolvieren. Das macht es auch für den zeitlich limitierten außerschulischen Jugendsport hochattraktiv. Turnhalle-Didaktik, Abschnitt 3
Empirischer Nachweis (Austermann 2005): Einmal wöchentliches Einsatzkrafttraining in der Sek II ist hocheffektiv. Die Interventionsgruppe erzielte doppelt so hohe Leistungsverbesserungen wie die Kontrollgruppe; beim „Flexed arm hang" betrug der Zuwachs nahezu 100 %. S. 17 / Fn 59, 60
Didaktische Ökonomie: Das Ein-Satz-Prinzip ermöglicht flüssigen Stationsbetrieb, verhindert Leerzeiten und hält die Motivation durch schnelle Wechsel hoch. Ein klassisches Mehr-Satz-Training ist im Schulsport meist weder sinnvoll noch organisierbar – behält aber für fortgeschrittene, leistungsorientierte Schüler seine Berechtigung. S. 17 / Fn 61–63

Abschnitt 7

Ausgewogenheit: Agonist & Antagonist

Ein zentrales Qualitätsmerkmal des gesund-funktionalen Krafttrainings ist die gleichmäßige Beanspruchung des gesamten Körpers, um ein ausgewogenes Verhältnis der Kräfteverhältnisse zu sichern.

Spieler und Gegenspieler im Gleichgewicht: Ein Trainingsprogramm muss so konzipiert sein, dass sowohl die primär bewegenden Muskeln (Agonisten) als auch deren Gegenspieler (Antagonisten) im gleichen Maße belastet werden. Turnhalle-Didaktik, Abschnitt 2
Gefahr bei Missachtung: Wird das Agonisten-Antagonisten-Prinzip vernachlässigt, drohen muskuläre Dysbalancen. Diese führen zu dauerhaften Störungen der Gelenkfunktionen und beeinträchtigen die Belastbarkeit des gesamten Stütz- und Bewegungsapparates.
„Es muss darauf geachtet werden, die Beuge- und Streckmuskulatur sowie die Adduktoren und Abduktoren der Arme, der Beine und des Rumpfes durch die Auswahl und die Variation der Übungen in gleichem Maße zu belasten, um ein muskuläres und funktionelles Ungleichgewicht zu vermeiden." – Mende, J.: Muskeltraining, Hamburg 1999, S. 34 (zit. nach S. 18)

Symmetrische Übungsfolge im Circuit-Training

Der eingesetzte Circuit baut systematisch auf paarweise gekoppelten Bewegungsrichtungen auf, um muskuläre Gleichgewichte zu sichern (vgl. Lenhart & Seibert 1996).

Paarweise gekoppelte Bewegungsrichtungen im Circuit (nach Turnhalle-Didaktik, Abschnitt 2).
Bewegung (Agonist)Gegenbewegung (Antagonist)
Arm beugenArm strecken
Arm hebenArm senken
Arm anziehenArm abspreizen
Bein beugenBein strecken
Bein anziehenBein abspreizen
Fuß beugenFuß strecken
Hüfte beugenHüfte strecken
Rumpf beugenRumpf strecken

Abschnitt 8

Sichere Ausführung – die Checkliste

Die folgenden Grundregeln fassen zusammen, worauf es bei der praktischen Durchführung ankommt – die Sicherheitslogik des gesund-funktionalen Krafttrainings auf einen Blick.

Infografik: Sicherheitslogik des gesund-funktionalen Krafttrainings – Wirbelsäule schützen, saubere Bewegung im 2-1-2-Rhythmus, keine Maximalerschöpfung (Stopp vor völligem Versagen), Rumpf stabilisieren, Atmung kontrollieren (keine Pressatmung) sowie funktionelle Ergänzung durch Dehnen des Hüftbeugers.
Grafik 7 Sicherheitslogik auf einen Blick Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Wirbelsäule schützen: Übungen unter Entlastung der Wirbelsäule ausführen, Bandscheiben schonen und große lokale Belastungsspitzen vermeiden.
Sauber und kontrolliert bewegen: Ruhiges, gleichmäßiges Tempo im Rhythmus 2-1-2 (2 s Überwinden, 1 s Halten, 2 s Nachgeben) – Schwung und Reißen vermeiden.
Nicht bis zur Maximalerschöpfung: Stopp vor dem völligen Versagen der Muskulatur; der Reiz endet bei spürbarer, bewältigbarer Anstrengung.
Rumpf stabilisieren & Atmung kontrollieren: Die Rumpf- und Haltemuskulatur aktiv stabilisieren und gleichmäßig weiteratmen – keine Pressatmung.
Teil D Steuerung & Gestaltung Wie schwer darf es sein? Belastungssteuerung über das Körpergefühl und die konkreten Gestaltungsprinzipien des Basistrainings.

Abschnitt 9

Belastungssteuerung & D&D-Skala

Die korrekte Definition des Trainingsgewichts entscheidet über den gesundheitlichen Nutzwert. Maßgeblich ist nicht die Übung allein, sondern die Person, die sie ausführt.

„Ob eine Übung funktionell ist oder nicht, hängt nicht von der Übung ab, sondern vor allem von den Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Person, die die entsprechende Übung ausführen soll oder will, und von den Anforderungen an diese Person in Alltag, Beruf und Sport." – Wydra 2000, S. 131 (zit. nach S. 18); vgl. Klee 2000: „Einsatztraining reicht!"
Personenorientierte Beurteilung: Deddens & Duwenbeck folgen der Forderung von Wydra und Klee nach einer differenzierten, personenorientierten Bewertung von Übungen. Die pauschale Einteilung in „funktionelle" und „unfunktionelle" Übungen greift zu kurz. Turnhalle-Didaktik, Abschnitt 4
Subjektive Methode (D&D-Skala): Schüler tasten sich eigenständig an ein Gewicht heran und bewerten es nach individuellem Anstrengungsgefühl. Ziel des schulischen Gesundheitstrainings sind die Stufen 3 und 4 der 6-stufigen Skala. Schülergerecht, schult Körperempfinden und Selbstkompetenz, wissenschaftlich anerkannt. S. 17–18 / Fn 64
„Quasi-objektive" Methode: Mathematische Ermittlung des 1-Repetition-Maximums (1-RM). Daraus wird prozentual (z. B. 40/50/60 % vom 1-RM) das Arbeitsgewicht abgeleitet. Da Tagesform, Motivation und Erfahrung stark einfließen, gilt sie nur als „quasi-objektiv". S. 18 / Fn 65
Maximalkrafttests: Bei adäquater Geräteauswahl und gründlicher Einweisung in den ersten drei Stunden methodisch vertretbar und als Grenzerfahrung wünschenswert. Für den Dauerbetrieb jedoch zu umständlich. S. 18 / Fn 66–68
Funktionelle Dehnungsaspekte: Zur Vermeidung von Fehlhaltungen (Hohlkreuz) kommt dem Dehnen des Hüftbeugers (M. iliopsoas) sowie der Kräftigung der beckenaufrichtenden Bauch- und Gesäßmuskulatur eine zentrale Rolle zu. S. 21 / Fn 74

Die 6-Stufen-Skala zur Beurteilung der Belastungsempfindung (D&D-Skala)

Infografik: D&D-Skala – wie schwer darf es sein? Sechs Stufen von „kaum gespürt
Grafik 8 D&D-Skala: Wie schwer darf es sein? Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Abb. 5: D&D-Skala für den Schulsport (adaptiert nach S. 21). Zielbereich des schulischen Gesundheitstrainings: Stufe 3 und 4.
StufeSubjektiver EindruckKonkrete Befindlichkeit / Ausprägung
1Anstrengung kaum vorhanden.Das Trainingsgewicht wurde fast nicht gespürt.
2Anstrengung war vorhanden.Das Gewicht war sehr leicht zu bewältigen.
3 · ZielEs war anstrengend.Das Gewicht konnte dennoch ganz gut bewältigt werden.
4 · ZielEs war sehr anstrengend.Das Gewicht konnte gerade so oft (wie vorgegeben) bewältigt werden.
5Es war zu anstrengend.Das Gewicht konnte nicht so oft wie gewollt bewältigt werden.
6Es war viel zu anstrengend.Das Gewicht war viel zu hoch; die Übung konnte gar nicht bewältigt werden.

Abschnitt 10

Gestaltungsprinzipien & Basistraining

Das schulische Training wird als „Basistraining" charakterisiert – eine methodisch sinnvolle Mischform, die sich im Spektrum der Wiederholungszahlen präzise positioniert.

Einordnung des Basistrainings

Infografik: Einordnung des schulischen Basistrainings als „richtige Mitte
Grafik 9 Basistraining im Schulsport: Die richtige Mitte Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Abb. 3: Einordnung des Basistrainings für die Schule (adaptiert nach S. 20).
TrainingsformPrimäres TrainingszielZiel-WiederholungszahlSteuerungsstufe (D&D)
1. Klassischer MuskelaufbauHypertrophie (Muskelquerschnitt)8–12 Wiederholungen3 / 4
2. Basistraining (Schule)Gesundheitsfunktionale Basiskraft12–15 Wiederholungen3 / 4
3. KraftausdauerErmüdungswiderstandsfähigkeit15–20 Wiederholungen3 / 4

Zwei Wege – ein Prinzip

Innerhalb des gesundheitsorientierten Krafttrainings lassen sich je nach Ziel zwei Schwerpunkte setzen – beide werden über dasselbe subjektive Belastungsempfinden (mittel bis schwer, nicht sehr schwer) gesteuert.

Infografik: Gesundheitsorientiertes Krafttraining – zwei Wege, ein Prinzip. Kraftausdauerorientiert (15–20+ Wiederholungen, geringeres Gewicht, Kraftausdauer, Fettreduktion, Körperformung) und muskelaufbauorientiert (8–15 Wiederholungen, höheres Gewicht, Muskelaufbau, Verbesserung der Maximalkraft). Steuerung über subjektives Belastungsempfinden: mittel bis schwer – nicht sehr schwer. Gesundheit im Fokus, individuell anpassbar, Fortschritt durch Kontinuität.
Grafik 10 Zwei Wege – ein Prinzip Antippen zum Vergrößern & Zoomen

Methodische Kernvariablen des schulischen Basistrainings

Infografik: Das Trainingsrezept des schulischen Basistrainings. Ziel gesundheitsfunktionale Basiskraft, 12–15 Wiederholungen, Belastungszeit 45–60 Sekunden, 30 Sekunden Pause, Tempo 2-1-2, Belastungsempfinden D&D-Stufe 3–4, Methode Ein-Satz-Training, Prinzip agonistisch-antagonistisch – kontrolliert trainieren statt maximal belasten.
Grafik 11 Das Trainingsrezept: Schulisches Basistraining Antippen zum Vergrößern & Zoomen
Abb. 4: Gestaltungsprinzipien des gesundheitsfunktionalen Muskelfitnesstrainings (S. 20).
ParameterFachwissenschaftliche Ausprägung und Vorgabe
ZielsetzungGesundheitsfunktionales Muskelfitnesstraining / schulisches Basistraining
PrinzipAgonistisch-antagonistisch (Spieler und Gegenspieler wechselseitig berücksichtigt)
ArbeitsweiseDynamisch (konzentrische und exzentrische Muskelarbeit kombiniert)
Belastungszeit1 Minute bis 45 Sekunden pro Satz (entspricht ca. 12–15 Wdh.)
Pausenzeit30 Sekunden zwischen Sätzen bzw. Stationen (zeitökonomisch optimiert)
BewegungstempoRuhig und gleichmäßig; Rhythmus 2-1-2 Sekunden (2 s Überwinden, 1 s Halten, 2 s Nachgeben)
Subjektive EmpfindungAnstrengend bis sehr anstrengend (Stufe 3 und 4 der D&D-Skala)
MethodenformPriorisiert als Ein-Satz-Training (Stationsbetrieb); optional als Mehr-Satz-Training
Ziel des Basistrainings: organische Belastungsanpassung, Erlernen und Stabilisieren korrekter Bewegungsabläufe, nachhaltige Anhebung des allgemeinen Kraftniveaus sowie Optimierung von Energiestoffwechsel und Kalorienverbrauch. S. 20
Teil E Quellen Die dokumentierten Originalquellen und weiterführende Literatur.

Quelle & Literatur

Dokumentierte Originalquellen

Monographie: Das Fitness-Studio in der Turnhalle / Sportunterricht im Fitness-Studio – Schüler lernen selbstständig gesundheitsgerecht zu trainieren.
Autoren: Eilert Deddens, Ralf Duwenbeck · Zielgruppe: Ein fitnessorientiertes Unterrichtsvorhaben für die Sekundarstufe II (modifiziert auch Sek I).
Auflage & Jahr: 2. unveränderte Auflage, 2013 · Herausgeber: © by Duwenbeck | Deddens c/o Create Space, Dortmund.
ISBN / Web: 978-1490426198 · www.sportunterricht.eu · www.dofit.net

Die Seitenangaben und Fußnoten (Fn) in den Faktenboxen verweisen auf die Originalpaginierung der Monographie. Hinweise mit „Turnhalle-Didaktik" beziehen sich auf die didaktische Zusammenfassung des Werks.

Anhang: Monographie-Auszüge als PDF

Auszug 1 – Gesundheitsorientiertes Krafttraining im Schulsport: Fachwissenschaftliche Zusammenfassung der Kernkapitel zur Relevanz, Methode, Belastungssteuerung und Gestaltungsprinzipien des schulischen Basistrainings nach Deddens & Duwenbeck (2013).
Auszug 2 – Das Fitness-Studio in der Turnhalle: Didaktische Analyse: Strukturierte didaktische Zusammenfassung des Unterrichtsvorhabens: ganzheitliches Konzept, Agonist-Antagonist-Prinzip, Einsatz-Methode, personenorientierte Beurteilung und Gestaltungsprinzipien des gesund-funktionalen Muskelfitnesstrainings.

Zentrale weiterführende Literatur

Mende, J. (1999): Muskeltraining. Hamburg, S. 34. — Begründung des Agonisten-Antagonisten-Prinzips.
Lenhart, P. / Seibert, W. (1996): Funktionelles Bewegungstraining. München, S. 68–74. — Symmetrische Übungsfolge im Circuit.
Wydra (2000), S. 131 / Klee (2000), S. 28 („Einsatztraining reicht!"). — Personenorientierte Beurteilung von Übungen.
Boeckh-Behrens, W.-U. / Buskies, W. (2000): Fitness-Krafttraining. Reinbek. — Effektivität der Einsatz-Methode.
Austermann, L. (2005): Sanftes Einsatzkrafttraining im Sportunterricht der Sekundarstufe. Dortmund. — Empirischer Nachweis im Schulsport.
Reuter/Buskies 2003, Siewers 2001, Günther 2004 — weitere zentrale Belege zum Stand der Forschung.