Schnelligkeit · Sekundarstufe I & II · NRW

Schnelligkeit

Von allen motorischen Grundeigenschaften ist Schnelligkeit die am stärksten anlagebedingte – und ausgerechnet sie wird im Schulsport am häufigsten benotet. Diese Seite trennt, was trainierbar ist, von dem, was mitgebracht wird, erklärt die Bedingungen, unter denen Schnelligkeitstraining überhaupt wirkt, und zeigt, warum die meisten Sprintübungen im Unterricht etwas anderes trainieren als gemeint.

Schwerpunkt: Erscheinungsformen, Trainierbarkeit, Bewertung Zielgruppe: Sek I (Kl. 5–10) · Sek II Grundlage: KLP Sport NRW · BF/SB 1 & 3

Einstieg

Warum dieses Thema didaktisch heikel ist

Kaum ein Bereich verbindet so viel Messbarkeit mit so wenig Beeinflussbarkeit.

Die 50-Meter-Zeit ist schnell erhoben, wirkt objektiv und lässt sich in eine Note übersetzen. Genau das macht sie im Schulsport so beliebt – und so problematisch. Denn Schnelligkeit ist unter den konditionellen Fähigkeiten diejenige, die am stärksten von Anlagen abhängt: von der Zusammensetzung der Muskelfasern, von der Reifung des Nervensystems, von Hebelverhältnissen. Ein Kind, das im Sprint hinten liegt, kann sich anstrengen wie es will – der Abstand zur Spitze der Lerngruppe bleibt in aller Regel bestehen.

Das didaktische Dilemma: Wer Schnelligkeit misst, misst zu einem erheblichen Teil die Ausgangslage. Wer sie benotet, benotet Anlagen. Das heißt nicht, dass Schnelligkeit im Unterricht nichts zu suchen hätte – im Gegenteil. Es heißt, dass der Gegenstand der Bewertung ein anderer sein muss als die Stoppuhr.

Hinzu kommt ein zweites Problem, das seltener bemerkt wird: Die meisten Übungen, die im Unterricht als Schnelligkeitstraining laufen, sind keines. Sprintstaffeln mit kurzer Wartezeit, Laufspiele über mehrere Minuten, „noch drei Sprints zum Abschluss“ am Stundenende – all das findet unter Ermüdung statt. Unter Ermüdung aber lässt sich das Tempo nicht mehr maximal abrufen, und trainiert wird dann etwas anderes: Schnelligkeitsausdauer oder schlicht Ausdauer. Die Bedingungen, unter denen Schnelligkeit tatsächlich entwickelt wird, sind eng – und sie kollidieren mit dem Takt einer Sportstunde.

Der rote Faden dieser Seite: erst klären, was Schnelligkeit überhaupt ist (sie ist nicht eine Fähigkeit, sondern mehrere), dann die Bedingungen ihrer Entwicklung, dann die Konsequenzen für Unterricht und Bewertung.

Faktencheck

Fünf verbreitete Annahmen

Jede dieser Aussagen hört man regelmäßig in Sporthallen. Keine ist ganz falsch – und keine stimmt so, wie sie gesagt wird.

Schnelligkeit kann man nicht trainieren – die hat man oder nicht.

Teilweise richtig
Was stimmt

Der Anteil der Anlagen ist bei Schnelligkeit tatsächlich höher als bei Kraft oder Ausdauer. Wer überwiegend langsam zuckende Muskelfasern mitbringt, wird kein Spitzensprinter. Aber: Die Bewegungsausführung, die Reaktionszeit, die Beschleunigungsfähigkeit und die Frequenz sind sehr wohl beeinflussbar – bei Kindern sogar deutlich. Die Aussage verwechselt die Obergrenze mit dem Weg dorthin.

Sprinten ist Kondition – wer ausdauernd ist, ist auch schnell.

Falsch
Was stimmt

Schnelligkeit und Ausdauer beruhen auf verschiedenen Energiebereitstellungen und verschiedenen Fasertypen. Ein sehr gut ausdauertrainierter Mensch kann im Sprint unauffällig sein und umgekehrt. Im Trainingsalltag stehen sich beide sogar teilweise im Weg: umfangreiches Ausdauertraining wirkt der Schnelligkeitsentwicklung eher entgegen.

Je mehr Sprints, desto schneller wird man.

Falsch
Was stimmt

Schnelligkeitstraining wirkt nur im ausgeruhten Zustand. Sobald die Belastung ermüdet, sinkt das Tempo – und der Körper übt ein langsameres Bewegungsmuster ein. Mehr Wiederholungen ohne ausreichende Pause machen nicht schneller, sondern trainieren Schnelligkeitsausdauer. Für die Entwicklung der Schnelligkeit selbst sind wenige, sehr gute Versuche mit langen Pausen wirksamer als viele mittelmäßige.

Schnelligkeitstraining lohnt sich erst in der Oberstufe.

Überholt
Was stimmt

Das Gegenteil trifft eher zu. Die Grundlagen der Bewegungsfrequenz und der Bewegungssteuerung entwickeln sich vor allem in der späten Kindheit. Wer Schnelligkeit erst in der Sekundarstufe II thematisiert, kommt für den am besten beeinflussbaren Abschnitt zu spät. Für die Sekundarstufe I spricht zusätzlich, dass schnelle Bewegungen dort ohne großen Aufwand spielerisch eingebettet werden können.

Wer schnell laufen kann, hat eine gute Sprinttechnik.

Teilweise richtig
Was stimmt

Tempo und Technik hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Viele schnelle Kinder laufen trotz ungünstiger Ausführung schnell – sie gleichen über Kraft und Anlagen aus. Umgekehrt gewinnen technisch saubere, aber weniger begabte Läuferinnen und Läufer oft mehr durch Korrektur als die schnellsten der Gruppe. Genau darin liegt eine faire Bewertungsmöglichkeit.

Grundlagen

Schnelligkeit ist nicht eine Fähigkeit, sondern vier

Wer im Unterricht „Schnelligkeit“ sagt, meint fast immer nur eine davon – und misst meist eine fünfte Mischform.

◆ Elementare Formen (kaum von Kraft abhängig)
  • Reaktionsschnelligkeit – wie schnell auf ein Signal eine Bewegung beginnt. Akustisch, optisch oder taktil.
  • Aktionsschnelligkeit – wie schnell eine einzelne Bewegung abläuft, etwa ein Wurf, ein Schlag, ein Antritt.
  • Frequenzschnelligkeit – wie schnell gleichartige Bewegungen aufeinanderfolgen, etwa die Schrittfrequenz.
◆ Komplexe Formen (stark von Kraft abhängig)
  • Schnellkraft – Kraft möglichst schnell entfalten: Absprung, Antritt, Abstoß.
  • Beschleunigungsfähigkeit – aus dem Stand oder aus geringer Geschwindigkeit Tempo aufbauen.
  • Schnelligkeitsausdauer – hohes Tempo über längere Zeit halten. Das ist keine Schnelligkeit mehr im engeren Sinn.
Warum die Unterscheidung im Unterricht zählt: Der 50-Meter-Sprint misst überwiegend Beschleunigungsfähigkeit und Schnellkraft – also die kraftabhängigen, körperbaulich stark vorgeprägten Anteile. Die elementaren Formen, die am besten trainierbar sind, kommen darin kaum vor. Wer Schnelligkeit entwickeln will, muss sie getrennt ansteuern: Reaktionsaufgaben, kurze maximale Aktionen, hohe Frequenzen – und zwar jeweils in eigenen Übungsformen.
Form Was gefordert wird Typische Übungsform Dauer
Reaktion Auf ein unvorhersehbares Signal sofort handeln Startvariationen, Fangspiele mit Signal, Partnerreaktion Bruchteile einer Sekunde
Aktion Eine einzelne Bewegung maximal schnell ausführen Wurf, Sprung, Antritt über 5–10 m unter 1 s
Frequenz Gleiche Bewegung möglichst oft pro Zeit Koordinationsleiter, Skippings, Seilspringen 4–8 s
Beschleunigung Aus dem Stand Tempo aufbauen Sprint 10–30 m aus verschiedenen Startpositionen 2–5 s
Maximaltempo Erreichtes Tempo kurz halten Fliegender Sprint mit Anlauf 2–4 s

Grundlagen

Was im Körper passiert

Zwei Dinge begrenzen das Tempo: womit der Muskel arbeitet – und wie gut das Nervensystem ihn ansteuert.

Die Muskelfasern

Skelettmuskulatur besteht aus unterschiedlichen Fasertypen. Vereinfacht: langsam zuckende Fasern arbeiten ausdauernd und ermüdungsresistent, schnell zuckende Fasern kontrahieren deutlich rascher, ermüden dafür schnell. Das Mischungsverhältnis ist individuell verschieden und in seinen Grundzügen angelegt. Training verschiebt es nur in Grenzen – es verändert vor allem, wie gut die vorhandenen schnellen Fasern genutzt werden.

Das ist der Kern der Anlagenfrage: Zwei Jugendliche mit gleichem Training und gleicher Technik können dauerhaft unterschiedlich schnell sein, weil sie unterschiedlich viele schnell zuckende Fasern mitbringen. Für den Unterricht folgt daraus nicht Resignation, sondern eine andere Bezugsnorm: Fortschritt statt Rangliste.

Die Ansteuerung

Der zweite und für den Schulsport wichtigere Faktor ist die Steuerung durch das Nervensystem: Wie viele Fasern werden gleichzeitig aktiviert? Wie schnell folgen die Nervenimpulse aufeinander? Wie gut arbeiten Muskel und Gegenspieler zusammen, ohne sich zu bremsen? Diese Anteile sind deutlich besser beeinflussbar als die Faserzusammensetzung – und sie sind der eigentliche Ansatzpunkt schulischen Schnelligkeitstrainings.

Die Energie

Maximales Tempo wird aus energiereichen Verbindungen gespeist, die im Muskel unmittelbar bereitstehen. Dieser Vorrat trägt nur wenige Sekunden. Danach schaltet der Stoffwechsel um, das Tempo fällt ab – auch wenn die Anstrengung subjektiv gleich bleibt. Das erklärt die enge Zeitgrenze: Schnelligkeitstraining findet in Belastungen von etwa sechs bis acht Sekunden statt, alles darüber ist bereits etwas anderes.

Für den Unterricht übersetzt: Eine Sprintstrecke von 30 bis 40 Metern liegt für die meisten Lernenden noch im Bereich maximaler Schnelligkeit. Alles ab etwa 60 Metern hat einen wachsenden Ausdaueranteil – und die verbreitete Staffel über mehrere Runden ist ein Ausdauerspiel mit Sprintanmutung.

Grundlagen

Das Zeitfenster der Trainierbarkeit

Schnelligkeit ist nicht in jedem Alter gleich gut beeinflussbar – und das günstigste Fenster liegt früher, als der Lehrplanalltag vermuten lässt.

Die Bewegungsfrequenz und die nervöse Ansteuerung entwickeln sich besonders stark in der späten Kindheit, etwa zwischen dem siebten und dem zwölften Lebensjahr. In dieser Phase reift das Nervensystem in einem Maß, das schnelle, präzise Bewegungsfolgen begünstigt. Die kraftabhängigen Anteile – Schnellkraft, Beschleunigung – werden dagegen erst mit der pubertären Kraftentwicklung zugänglich.

◆ Klasse 5 bis 7
  • Schwerpunkt auf Frequenz und Reaktion
  • Spielerisch: Fang- und Reaktionsspiele, Startvariationen
  • Kurze Strecken, viel Abwechslung, keine Zeitmessung als Selbstzweck
  • Krafttraining für Schnelligkeit ist hier noch zweitrangig
◆ Ab Klasse 8
  • Schwerpunkt verschiebt sich zu Schnellkraft und Beschleunigung
  • Sprungformen, Antritte, Medizinballwürfe
  • Technikarbeit am Start und an der Laufhaltung wird ergiebiger
  • Reflexion über Anlagen und Trainierbarkeit wird möglich
Die didaktische Konsequenz: Schnelligkeit gehört nicht als eigenes Thema in die Oberstufe verschoben, sondern als selbstverständlicher Bestandteil in den Unterricht der Sekundarstufe I – eingebettet in Spiele, nicht als Leistungsüberprüfung. In der Oberstufe verschiebt sich der Gegenstand vom Üben zum Verstehen und Beurteilen.

Training

Die drei Regeln – maximal, kurz, ausgeruht

Wird eine davon verletzt, trainiert man etwas anderes als Schnelligkeit. Das ist der häufigste Fehler im Schulsport.

① Maximal
  • Nur Versuche mit voller Intensität entwickeln Schnelligkeit
  • „Zügig“ genügt nicht – der Reiz muss an der Obergrenze liegen
  • Deshalb immer nach gründlichem Aufwärmen, nie auf kalte Muskulatur
② Kurz
  • Belastungen von etwa 4 bis 8 Sekunden
  • Das entspricht rund 20 bis 40 m Lauf
  • Darüber sinkt das Tempo – der Reiz wandert Richtung Ausdauer
③ Ausgeruht
  • Pausen bis zur weitgehend vollständigen Erholung
  • Als Faustwert etwa das Sechs- bis Zehnfache der Belastungszeit, also mehrere Minuten
  • Deshalb an den Anfang der Stunde, nicht ans Ende

Der Konflikt mit dem Stundentakt: Vollständige Pausen bedeuten Wartezeit – und Wartezeit gilt im Sportunterricht zu Recht als Problem. Die Lösung liegt nicht darin, die Pause zu verkürzen, sondern sie zu füllen: Während eine Gruppe sprintet, arbeitet die andere an etwas, das nicht ermüdet – Technikaufgaben, Beobachtungsaufträge, Koordinationsformen mit geringer Intensität. Wer stattdessen die Pause kürzt, verliert genau den Effekt, den er anstrebt.

Praktische Faustregel für die Halle: Wenn die Lernenden beim zweiten oder dritten Versuch sichtbar langsamer werden, ist die Pause zu kurz. Dann lieber die Zahl der Versuche halbieren als die Pause. Vier gute Antritte sind mehr wert als zwölf müde.

Training

Die Schnelligkeitsbarriere

Warum immer dieselbe Sprintübung irgendwann aufhört zu wirken.

Wird eine schnelle Bewegung über lange Zeit immer gleich ausgeführt – gleiche Strecke, gleicher Start, gleicher Untergrund – dann festigt sich nicht nur die Bewegung, sondern auch ihr Tempo. Das Bewegungsmuster stabilisiert sich auf einem Niveau und lässt sich nur noch schwer steigern. In der Trainingslehre heißt dieses Phänomen Schnelligkeitsbarriere.

Für den Schulsport ist das weniger dramatisch als im Leistungssport – aber es erklärt eine verbreitete Beobachtung: Die 50-Meter-Zeiten einer Lerngruppe verändern sich über Jahre kaum, obwohl regelmäßig gesprintet wird. Nicht weil Schnelligkeit untrainierbar wäre, sondern weil immer dieselbe Aufgabe unter denselben Bedingungen gestellt wird.

◆ Was die Barriere begünstigt
  • Immer dieselbe Strecke, immer derselbe Start
  • Sprints nur als Leistungskontrolle, nicht als Übung
  • Ausführung unter Ermüdung
◆ Was sie aufbricht
  • Variation: wechselnde Strecken, Startpositionen, Signale
  • Übergeschwindigkeit: leichtes Gefälle, Zugunterstützung, fliegender Start
  • Wechsel der Bewegungsform: Sprünge, Frequenzformen, Richtungswechsel
  • Spielformen mit unvorhersehbarem Antritt

Unterricht

Das Bewertungsproblem – und ein Ausweg

Die Stoppuhr ist das genaueste Messgerät im Sportunterricht und zugleich das ungerechteste Bewertungsinstrument.

Eine 50-Meter-Zeit sagt zuverlässig, wie schnell jemand ist. Sie sagt nichts darüber, wie viel dieser Mensch dafür getan hat. Da der Anteil der Anlagen bei Schnelligkeit besonders hoch ist, bildet eine Zeitnote in weiten Teilen etwas ab, das die Lernenden nicht beeinflussen können. Dasselbe Argument gilt beim Dehnen für die Beweglichkeit – hier wiegt es noch schwerer.

Was stattdessen bewertbar ist: die Qualität der Bewegungsausführung, das Startverhalten, die Sorgfalt bei der Durchführung von Messungen, die Fähigkeit, eigene Werte einzuordnen und zu erklären, die individuelle Entwicklung über einen Zeitraum – und im Sinne der Urteilskompetenz die Beurteilung von Trainingsformen: Welche Übung trainiert eigentlich was?

Bezugsnorm Was sie misst Eignung für die Note
Sozial
Rangliste der Lerngruppe
Überwiegend Anlagen und Reifestand Gering. Benachteiligt systematisch spät entwickelte und anlagebedingt langsamere Lernende.
Kriterial
feste Zeittabelle
Abstand zu einer gesetzten Norm Mittel. Transparent, aber mit demselben Anlagenproblem.
Individuell
eigene Entwicklung
Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert Hoch – mit einer Einschränkung: Messfehler sind bei kurzen Zeiten groß. Ohne standardisierte Bedingungen ist eine Veränderung von einer Zehntelsekunde nicht aussagekräftig.
Prozessbezogen
Ausführung, Wissen, Urteil
Technik, Sorgfalt, Begründungsfähigkeit Hoch. Trifft genau die Kompetenzen, die der Kernlehrplan ausweist.
Ein Hinweis zur Messgenauigkeit: Handgestoppte Zeiten über kurze Strecken streuen erheblich – die Reaktionszeit der stoppenden Person liegt in derselben Größenordnung wie der Unterschied, den man messen will. Wer individuelle Entwicklung bewerten möchte, sollte diesen Messfehler vorher mit der Lerngruppe bestimmen: zweimal messen, ohne dass dazwischen trainiert wurde. Die Differenz ist die Messlatte, ab der eine Veränderung überhaupt etwas bedeutet.

Unterricht

Übungsformen für die Halle

Sortiert nach Erscheinungsform. Alle Formen setzen vollständiges Aufwärmen und ausreichende Pausen voraus.

Reaktion

Startvariationen. Aus Bauchlage, Rückenlage, Sitz, Hockstellung, im Laufen rückwärts. Signal wechselnd akustisch, optisch oder taktil. Drei bis fünf Versuche, dann Wechsel der Ausgangsposition.
Partnerreaktion. Zwei Personen stehen sich gegenüber, eine startet unvorhersehbar, die andere reagiert und versucht, sie über fünf Meter einzuholen. Rollenwechsel nach jedem Versuch.
Nummernfangen. Zwei Reihen, jede Person hat eine Nummer. Wird die Nummer gerufen, sprintet die eine Seite los, die andere hinterher. Trainiert Reaktion auf ein akustisches Signal unter Wettkampfspannung.

Frequenz

Koordinationsleiter. Verschiedene Fußfolgen bei maximaler Frequenz über vier bis sechs Sekunden. Wirkt am besten, wenn die Aufgabe koordinativ knapp bewältigbar ist – nicht zu leicht, nicht zu komplex.
Skippings an der Wand. Leichte Vorlage gegen die Wand, maximale Kniehubfrequenz über fünf bis sechs Sekunden. Gut kontrollierbar und ohne Materialaufwand.
Seilspringen auf Zeit. Maximale Umdrehungszahl in acht Sekunden, paarweise gezählt. Zugleich eine gute Beobachtungsaufgabe für die wartende Hälfte.

Beschleunigung und Maximaltempo

Antritte über 10 bis 20 m. Der ergiebigste Bereich für die Schule: kurz genug für volle Intensität, lang genug für eine spürbare Beschleunigungsphase.
Fliegender Sprint. 20 m Anlauf, dann 20 m auf Zeit. Trennt das Maximaltempo von der Startfähigkeit – für Lernende oft eine überraschende Erfahrung, weil sich die Rangfolge gegenüber dem Standardsprint verschiebt.
Gefällesprint. Leichtes Gefälle, etwa eine schräge Rampe oder ein leichter Hang. Erzeugt eine Frequenz oberhalb der selbst erzeugbaren und wirkt gegen die Schnelligkeitsbarriere. Nur bei sicherem Untergrund.

Organisation der Pausen: Zwei Gruppen im Wechsel – eine sprintet, die andere übernimmt Zeitnahme, Startsignal oder einen Beobachtungsauftrag zur Ausführung. So entsteht keine Leerzeit, und die beobachtende Gruppe lernt genau die Kriterien kennen, nach denen später bewertet wird.

Sekundarstufe I

Modul für Klasse 5 und 6

Im günstigsten Altersfenster – und ohne ein einziges Mal die Stoppuhr als Notengeber einzusetzen.

Für die Jüngsten gilt eine einfache Übersetzung der drei Regeln: kurz, mit voller Absicht schnell, und zwischendurch richtig verschnaufen. Alles andere ergibt sich aus der Spielform.

Stunde Schwerpunkt Kern der Stunde
1 Reaktion Fangspiele mit wechselnden Startsignalen. Leitfrage: Woran merkt man, dass jemand gut reagiert?
2 Frequenz Stationen mit Leiter, Seil und Reifen. Wie oft schaffst du es in acht Sekunden? Partner zählt.
3 Antritt Kurze Sprints aus ungewohnten Startpositionen, spielerisch als Wettkampf gegen die eigene Vorgabe.
4 Zusammenführung Staffelparcours, der alle drei Formen enthält – mit echten Pausen zwischen den Durchgängen.
Warum keine Zeitmessung als Note: In Klasse 5 und 6 fallen Entwicklungsunterschiede von bis zu zwei Jahren biologischem Alter in dieselbe Lerngruppe. Eine Rangliste bildet in diesem Alter vor allem den Reifestand ab. Die Uhr darf trotzdem vorkommen – als Werkzeug der Lernenden, nicht als Instrument der Lehrkraft.

Material

Fachliche Grundlage

Diese Seite gibt den Stand der deutschsprachigen Trainingslehre wieder, wie er in den einschlägigen Standardwerken dargestellt ist.

Hinweis zur Prüftiefe – in eigener Sache: Die folgenden Werke sind die einschlägigen Standardtitel zum Thema. Die inhaltlichen Aussagen dieser Seite bewegen sich auf dem Niveau des dort übereinstimmend dargestellten Grundlagenwissens; einzelne Zahlenangaben (Belastungsdauern, Pausenverhältnisse, Altersfenster) werden in der Literatur in Spannen angegeben und sind hier bewusst als Faustwerte formuliert. Vor einer Verwendung in Prüfungs- oder Veröffentlichungskontexten sollten Auflage, Jahr und Seitenangaben am Original geprüft werden.

Weineck, J. Optimales Training. Spitta Verlag. Das Standardwerk der deutschsprachigen Trainingslehre. Enthält die ausführlichste Darstellung der Erscheinungsformen der Schnelligkeit und ihrer altersabhängigen Trainierbarkeit.
Grosser, M., Starischka, S. & Zimmermann, E. Das neue Konditionstraining. BLV. Praxisnahe Aufbereitung der Belastungsnormative. Grundlage für die Faustwerte zu Belastungsdauer und Pausengestaltung.
Martin, D., Carl, K. & Lehnertz, K. Handbuch Trainingslehre. Hofmann, Schorndorf. Systematische Darstellung der konditionellen Fähigkeiten, einschließlich der Abgrenzung elementarer und komplexer Schnelligkeitsformen.
Hohmann, A., Lames, M. & Letzelter, M. Einführung in die Trainingswissenschaft. Limpert. Trainingswissenschaftliche Einordnung, unter anderem zur Frage der Trainierbarkeit und zum Phänomen der Schnelligkeitsbarriere.
Bös, K. (Hrsg.) Handbuch Motorische Tests. Hogrefe. Grundlage für die Aussagen zur Messgenauigkeit handgestoppter Zeiten und zur Frage, ab wann eine Veränderung aussagekräftig ist.
Ministerium für Schule und Bildung NRW / QUA-LiS NRW. Kernlehrpläne Sport für die Sekundarstufe I und II. Verortung des Themas in Bewegungsfeld 1 und 3. Für die Sekundarstufe II gilt der mit Runderlass vom 7. August 2026 festgesetzte Kernlehrplan, der zum 1. August 2027 aufsteigend in Kraft tritt.

Warum diese Seite nötig ist: Schnelligkeit ist in der Fachliteratur gut beschrieben, in der Unterrichtspraxis aber auf den Sprinttest verkürzt. Die Lücke liegt nicht im Wissen, sondern in der Übersetzung: Welche Übung trainiert welche Erscheinungsform, unter welchen Bedingungen wirkt sie – und was davon lässt sich verantwortbar benoten.

Schülerprojekt

Eine eigene Lichtschranke bauen

Der eleganteste Ausweg aus dem Messproblem – und zugleich ein fächerverbindendes Projekt.

Weiter oben steht das Kernproblem jeder Zeitmessung im Schulsport: Handgestoppte Zeiten über kurze Strecken streuen in derselben Größenordnung wie der Unterschied, den man messen möchte. Die Reaktionszeit der stoppenden Person geht vollständig in das Ergebnis ein. Wer individuelle Entwicklung sichtbar machen will, stößt damit schnell an eine Grenze, die sich durch Sorgfalt allein nicht überwinden lässt.

Eine Lichtschranke löst das: Sie startet und stoppt ohne menschliche Reaktion und misst auf Hundertstel genau. Fertige Systeme aus dem Sportfachhandel kosten allerdings ein Vielfaches dessen, was eine Fachschaft dafür übrig hat. Genau hier setzt die Projektidee an – ein erschwingliches System kaufen, umbauen und für den Schulgebrauch anpassen.

Warum das didaktisch mehr ist als eine Anschaffung: Die Lernenden bauen nicht nur ein Messgerät, sondern setzen sich dabei zwangsläufig mit der Frage auseinander, was eigentlich gemessen wird und wie genau. Das ist dieselbe Urteilskompetenz, die dieser Seite zugrunde liegt – nur von der praktischen Seite her. Als Projekt eignet es sich für Wahlpflichtkurse, Projektwochen oder die Zusammenarbeit mit Technik und Informatik.
Projektidee im Magazin

Ein erschwingliches Lichtschrankensystem – kaufen, umbauen, pimpen

Der Beitrag beschreibt Auswahl, Umbau und Einsatz eines bezahlbaren Lichtschrankensystems für den Sportunterricht – mit den praktischen Details, die in Produktbeschreibungen fehlen.

Zur Projektidee ↗ sportunterricht.eu/magazin
Magazin

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Beiträge, Hintergründe und Praxisimpulse rund um Schulsport und Sportunterricht – ergänzend zu den Themenseiten dieses Fitnessweb.

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